Das Monastero del Rul
Das Monastero del Rul liegt auf einer Anhöhe, vom Aussichtspunkt in Albugnano in Richtung Nordwest gut sichtbar; in direkter Verlängerung der Monte Rosa. Der Ortsname in unserer Anschrift (Vezzolano 57) erinnert an die antiken Verbindungswege, die man durch die Wälder noch erahnen kann und die diese Ortschaft mit dem kleinen angrenzenden Tal verbanden, in dem sich das berühmte romanische Baudenkmal Santa Maria di Vezzolano (das der Legende nach von Karl dem Großen gegründet worden ist) in einer Entfernung von nur etwa 500 m Luftlinie befindet. Am Horizont erhebt sich der Gebirgszug der Alpen; gut sichtbar sind der Gran Paradiso, der Rocciamelone, der Naturpark Orsiera-Rocciavrè; im Osten blickt man über eine spektakuläre Ansicht des Monte Rosa und der Piramide del Cervino, von der man an klaren Tagen denkt, sie mit der bloßen Hand berühren zu können, bis hin zu den lombardischen Alpi Pennine. Und gerade der Monte Rosa macht bei klaren Sonnenuntergängen mit seiner Feuerfarbe, die fast 5000 m in das Indigoblau des Himmels hinaufragt, seinem Namen alle Ehre.

Das Gehöft, ein altes Gebäude, das mit Sorgfalt restauriert wurde, wurde Ende des 17. Jahrhunderts in das Grundbuch von Asti eingetragen. Errichtet wurde das Gehöft auf bereits bestehenden Bebauungen, die heute noch sichtbar sind. Die Namengebung ist interessanterweise ebenso unsicher wie anregend: "Rul", die mythische Eiche, den Druiden und Jupiter heilig, war von jeher der Name, mit dem im Volksmund dieser Ort bezeichnet wurde, zumal er darüber hinaus an einen Wald mit Eichen und Hainbuchen grenzt. Eine andere Benennung war Ruffus oder Rufus, typische römische Namen, die wahrscheinlich auf einen antiken Kolonen namens Rufus zurückzuführen sind, der wie auch Albonius zur Zeit Augustus aus einer Region südlich des Po gekommen war, um dieses Landstück zu besiedeln.
Man denke daran, dass im 1. Jahrhundert n. C. starke Siedlungstendenzen in dem gesamten Gebiet zwischen Hasta (Asti) und Augusta Taurinorum (Turin) bis hin nach Augusta Pretoria (Aosta) mit Ansiedlungen nach römischem Recht zu verzeichnen waren, die zum Ziel hatten, die Landstriche unter römischen Einfluss zu stellen, die über Jahrhunderte hinweg unter der Herrschaft keltischer Gallier standen. Nur unweit von den Ufern des Po bauten sie - gleich einer Vorwarnung dessen was 19 Jahrhunderte später in Turin geschehen sollte - die berühmte "Industria" auf (heute Monteu da Po), Sitz der römischen Gießereien und der eisenverabeitenden Industrie für das gesamte römische Gebiet am Fuße des Gebirges.

Vielleicht waren es Rufus oder auch Albonius, die aus dem Latium oder der Campania Felix die Mittelmeertraube (die bis heute überlebt hat) und den typisch italischen Olivenbaum hierher gebracht haben, der, man beachte, nur hier seit der Römerzeit im Piemont überlebt hat, dank eines besonderen Mikroklimas mit Wintern, die fast so mild sind wie am ligurischen Mittelmeer. Natürlich haben zunächst Ligurer und Keltiberer hier gelebt, erst später dann Kelten und Römer aus den gallischen Provinzen. Im Zuge dieser Entwicklung wandelte sich im Mittelalter auch der Name des römischen Anwesens von Rufus zu der germanischen Bezeichnung Rolf, woraus im Piemontesischen und im Dialekt des Monferrato Cascina Rolfo wurde, der Name, der auch im 17. Jahrhundert im Grundbuch von Asti erscheint.